Ab dem 20. November 2026 gelten in Deutschland neue Regeln für Verbraucherkredite. Betroffen sind Ratenkredite, der Dispo und auch „Später bezahlen“. Für dich heißt das: mehr Schutz, aber auch eine strengere Prüfung. Hier erfährst du, was sich konkret ändert und was du jetzt tun solltest.
Das erwartet dich
Das ändert sich ab 20. November 2026
Der Bundestag hat das Gesetz am 17. April 2026 beschlossen. Damit setzt Deutschland die EU-Verbraucherkreditrichtlinie um. Neu ist vor allem, dass fast jeder Kredit unter die Regeln fällt: auch Kleinkredite unter 200 Euro, zinsfreie Kredite wie die 0-%-Finanzierung und kurzfristige Angebote wie „Später bezahlen“. Bisher waren viele davon ausgenommen.
Was das für Ratenkäufe beim Online-Shopping bedeutet, erklären wir ausführlich in Später bezahlen: Was ab 20. November 2026 gilt. Die neuen Regeln betreffen vor allem Verträge, die ab dem Stichtag geschlossen werden. Den amtlichen Gesetzestext haben wir noch nicht vollständig ausgewertet. Wir stützen uns auf die Berichte der unten genannten Quellen.
Strengere Prüfung: Nicht jeder bekommt mehr Kredit
Bisher durfte die Bank einen Kredit vergeben, wenn es keine erheblichen Zweifel gab, dass du ihn zurückzahlst. Künftig muss es wahrscheinlich sein, dass du zahlen kannst. Das klingt nach Wortklauberei, ist aber eine echte Verschärfung. Die Prüfung gilt unabhängig von der Höhe, also auch für einen Ratenkauf über 50 Euro. Dabei muss der Anbieter auch deine bestehenden Verpflichtungen berücksichtigen, zum Beispiel offene Ratenkäufe.
Gleichzeitig ist geregelt, welche Daten tabu sind: Gesundheitsdaten und Informationen aus sozialen Netzwerken dürfen nicht in die Prüfung einfließen.
Aus der Praxis: Wer mehrere laufende Ratenkäufe, einen ausgereizten Dispo und kaum Puffer hat, wird es schwerer haben. Das ist ärgerlich, schützt aber auch vor der Schuldenfalle.
Kredit abgelehnt? Du hast neue Rechte
Viele Kreditentscheidungen trifft heute ein Computer. Wird dein Antrag automatisch abgelehnt, muss der Anbieter erklären können, warum. Du kannst außerdem deinen Standpunkt darlegen und verlangen, dass ein Mensch die Entscheidung überprüft.
Frag nach einer Ablehnung schriftlich nach den Gründen. Oft steckt ein falscher oder veralteter Schufa-Eintrag dahinter. Wie der Score heute funktioniert, steht in Neuer Schufa-Score: Was sich 2026 geändert hat.
Widerruf: Jetzt mit Frist
Einen Kreditvertrag kannst du weiterhin innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen widerrufen. Neu ist das Ende des sogenannten ewigen Widerrufsrechts: Bisher konnte ein Fehler in der Widerrufsbelehrung dazu führen, dass du einen Kredit noch nach Jahren widerrufen konntest. Wurdest du über dein Widerrufsrecht informiert, ist ein Widerruf jetzt höchstens 12 Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss möglich, auch wenn die Information fehlerhaft war.
Hast du die Vertragsinformationen erst kurz vor dem Abschluss bekommen, muss dich der Anbieter danach noch einmal an dein Widerrufsrecht erinnern. Neu ist auch: Den Dispo kannst du jetzt ebenfalls widerrufen.
Dispo: Mehr Schutz bei Kündigung
Banken können den Dispo nicht mehr mit sofortiger Wirkung kündigen. Sie müssen dich vorher informieren. Nach Angaben der comdirect gilt dafür eine Frist von mindestens 30 Tagen. Ist der Dispo gekündigt, muss dir die Bank ermöglichen, den offenen Betrag in zwölf gleichen Monatsraten zurückzuzahlen, bevor sie vollstreckt.
Trotzdem bleibt der Dispo eine der teuersten Kreditformen. Wenn du ihn dauerhaft nutzt, lies Dispo ablösen: So kommst du aus dem Minus.
Probleme mit den Raten: Die Bank muss entgegenkommen
Kommst du mit den Raten in Verzug, darf die Bank nicht sofort zur Zwangsvollstreckung greifen. Sie muss vorher angemessene Nachsicht üben, zum Beispiel mit einer Stundung, einer längeren Laufzeit oder einer Umschuldung. Außerdem sollen Banken Kunden in Schwierigkeiten an eine Schuldnerberatung verweisen.
Melde dich früh bei deiner Bank, am besten bevor die erste Rate platzt. Je früher du redest, desto mehr Spielraum gibt es. Kostenlose Schuldnerberatung bieten Verbraucherzentralen, Wohlfahrtsverbände und viele Kommunen an.
Kreditwerbung mit Warnhinweis
Kreditwerbung muss künftig deutlich darauf hinweisen, dass ein Kredit Geld kostet, etwa mit „Achtung! Kreditaufnahme kostet Geld“. Im Antrag dürfen Kästchen außerdem nicht mehr vorausgewählt sein. Das gilt auch für Zusatzprodukte wie eine Restschuldversicherung: Du musst sie bewusst selbst anklicken. Hast du schon eine, lies Restschuldversicherung kündigen: So bekommst du Geld zurück.
Kreditverträge sind künftig auch in Textform möglich, zum Beispiel per E-Mail oder Online-Formular statt mit Unterschrift auf Papier.
Alt und neu im Vergleich
| Bisher | Ab 20. November 2026 | |
|---|---|---|
| Welche Kredite | Viele Kleinkredite, 0-%-Finanzierungen und kurze Zahlungsaufschübe ausgenommen | Fast alle Kredite, auch unter 200 Euro, zinsfrei und „Später bezahlen“ |
| Prüfung | Kredit, wenn keine erheblichen Zweifel an der Rückzahlung bestehen | Kredit nur, wenn die Rückzahlung wahrscheinlich ist |
| Ablehnung | Kaum Anspruch auf Erklärung | Erklärung und Überprüfung durch einen Menschen möglich |
| Widerruf | Bei fehlerhafter Belehrung teils unbegrenzt | Höchstens 12 Monate und 14 Tage |
| Dispo-Kündigung | Teils mit sofortiger Wirkung | Nicht mehr sofort, Rückzahlung in 12 Monatsraten möglich |
| Zahlungsprobleme | Keine Pflicht zur Nachsicht im BGB | Bank muss vor der Vollstreckung Nachsicht üben |
| Werbung | Kein Warnhinweis nötig | Hinweis, dass ein Kredit Geld kostet |
Was du jetzt tun solltest
- Schreib alle laufenden Kredite und Ratenkäufe auf. Die neue Prüfung schaut auf alle Verpflichtungen.
- Prüf deine Schufa-Daten. Eine kostenlose Datenkopie steht dir jederzeit zu.
- Plan größere Anschaffungen mit einem Ratenkredit statt mit vielen kleinen Ratenkäufen. Worauf du achten solltest, steht in Ratenkredit vergleichen.
- Nutzt du den Dispo dauerhaft, lös ihn ab. Wann sich das lohnt, steht in Umschuldung: Wann sie sich lohnt und wann nicht.
- Wirst du abgelehnt, frag nach den Gründen und verlang eine Überprüfung durch einen Menschen.
- Wird es mit den Raten knapp, sprich früh mit deiner Bank.
- Später bezahlen abgelehnt: Woran es liegt und was du tun kannst
- Später bezahlen: Was ab 20. November 2026 gilt
- Neuer Schufa-Score: Was sich 2026 geändert hat
- Dispo ablösen: So kommst du aus dem Minus
- Ratenkredit vergleichen: Darauf kommt es an
Häufige Fragen
Gilt das neue Recht auch für meinen alten Kredit?
Die neuen Regeln betreffen vor allem Verträge, die ab dem 20. November 2026 geschlossen werden. Ob einzelne Pflichten auch für ältere Verträge gelten, klärst du im Zweifel mit deiner Bank oder einer Verbraucherzentrale.
Bekomme ich jetzt schwerer einen Kredit?
Wenn dein Budget knapp ist, ja. Banken müssen künftig davon ausgehen können, dass du wahrscheinlich zurückzahlst. Wer ein festes Einkommen, wenig laufende Raten und einen Puffer hat, merkt davon kaum etwas.
Kann ich meinen Kredit noch nach Jahren widerrufen?
Bei neuen Verträgen in der Regel nicht mehr. Wurdest du über dein Widerrufsrecht informiert, ist ein Widerruf höchstens 12 Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss möglich, auch wenn die Information fehlerhaft war.
Darf die Bank meinen Dispo sofort kündigen?
Nein. Sie muss dich vorher informieren und dir die Möglichkeit geben, den offenen Betrag in zwölf gleichen Monatsraten zurückzuzahlen, bevor sie vollstreckt.
Quellen
- Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt Gesetz zu Verbraucherkrediten (17.04.2026)
- Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 139: Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2225
- LTO: Kampf gegen Kreditschulden – Bundestag beschließt Gesetz
- Noerr: Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie beschlossen
- Stiftung Warentest: Neue Verbraucherkreditrichtlinie
- comdirect: Verbraucherkreditrichtlinie 2026
- IHK Osnabrück: Verbraucherkreditrichtlinie beschlossen
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